Perseiden 2005

Amateurfunker sind eine Spezies, die uns Amateurastronomen in mancher Hinsicht nicht unähnlich sind. Während wir uns die Nächte an den Teleskopen auf der Jagd nach kleinen 'fuzzies' um die Ohren schlagen, versuchen die im Rauschen ihrer Empfänger Signale von fernen Sendestationen zu identifizieren.

Meteoscatter
Die Reichweite der Signalübertragung ist dabei von vielen Faktoren wie Sendeleistung, Antenne, Standort, Wetter, usw. abhängig. Bei entsprechendem Setup kann diese Reichweite für wenige Sekunden durch die Ionisationkanäle, die Sternschnuppen in der oberen Atmosphere erzeugen, erheblich vergrößert werden. Diese Technik wird als ‚Meteorscatter' bezeichnet.

Nähere Infos über die Funktionsweise von Meteorscatter sind z.B. hier zu finden: http://www.imo.net/radio, http://www.meteorscatter.net, http://www.vhfdx.de.

Firmenkollege Gerald Hodatsch, Amateurfunker, Rufzeichen DB0JW, und ich entschlossen uns kurzfristig wenige Tage vor dem Perseiden Maximum am 12.8.2005 eine optisch - akkustische Gemeinschaftsproduktion anzugehen. Zu kurzfristig für eine saubere Vorbereitung aber einen Versuch wert.

Beobachtungsort
An unserem Beobachtungsort etwas NO von Straßhof/NÖ baute Gerald also den mobilen Teil seiner Funkanlage (Stromversorgung, Yagi Antenne, Empfänger, Lautsprecher) und ich meine Mintron VideoCCD Kamera mit Laptop auf.

Tonaufzeichnung
Die Tonaufzeichnungen entstanden parallel dazu unbeaufsichtigt bei Gerald zu Hause in seinem ‚Amateurfunker Studio'. Die zugehörige Funkanlage war auf ein ‚Beacon' (d.h. Sendestation) in knapp 800km Entfernung ausgerichtet, das unter normalen Umständen nicht mehr erreichbar ist. Die Signale dieser Station sollten für die kurze Dauer eines Meteors empfangen und aufgezeichznet werden. Kostproben der Signale und genaure Details zu den Aufnahmedaten folgen weiter unten, oTon von Gerald, daher in ‚Amateurfunker' Fachchinesisch ;=)

Videoaufzeichnung
Eigentlich war geplant die Aufnahmen mit einem manuellen Computar 2.6 mm F1.4 Objektiv (Gesichtsfeld 127°) an der Mintron VideoCCD Kamera zu machen, aber dieses Objektiv war in der kurzen Zeit einfach nicht aufzutreiben. Die nächstbeste Wahl war das 3.6 mm Objektiv (Gesichtsfeld 93°) und das war zum Glück in der Version mit spannungsgesteuerter Blende in Wien bei der Firma Videosecur ab Lager verfügbar (dort gibt es so einiges zum Thema Video, u.a. auch die Watcom Kamera).
Leider gab es mit dem Objektiv einige nicht verstandene technische Probleme, das Signal der Mintron war die meiste Zeit von schwarz-grauen Streifen durchzogen. Die Ursache konnten wir trotz längerer Analyse vor Ort nicht eindeutig klären, vermutlich ein Problem zwischen der Mintron und der spannungsgesteuerten Blende des Objektivs. Der brauchbare Teil der Aufnahmen ist daher leider bescheiden.

Ergebnisse optisch
Insgesamt waren etwa 15 Schnuppen auf den Video Aufnahmen. Die Verarbeitung der Aufnahmen war wegen der abgeschalteten Nachführung etwas mühsam, im wesentlichen mußten die einzelnen Schnuppen positionsrichtig in das Summenbild einkopiert werden.

Ergebnisse akkustisch
Ursprünglich war geplant, für einen gewissen Zeitraum eine Korrelation zwischen den Video- und den Meteorscatter Aufnahmen herzustellen, quasi ein vertontes Video. Das mußte dieses Jahr wg. der Probleme mit der Mintron ausfallen.

Zu den Tonaufzeichnungen jetzt Gerald mit seinem original Protokoll.
Zu jedem ‚ping' gibt es ein .wav file und einen plot mit dem entsprechenden Spektrogramm.
Auf der waagrechten Achse die Tonfrequenz im Bereich von 0 bis 3kHz, auf der senkrechten Achse die Zeit (Einheit 10sec), und die Farbe gibt die Intensität des Signals an (blau = schwach, rot = stark).

 

Geralds recordings
started at 18:02 UTC, 12-08-2005

Receiver: Yaesu FT-847, AGC fast, Preamp on, Mode USB
Filter BW 2400 Hz @ -6dB
Antenna: 5 Element Yagi, 24 m above ground giving 186 m asl, heading 295, Elevation 0
Location: Maidenhead JN88FG

Beacon (target)
Frequency 144,414 Mhz
Callsign DB0JW
Loc JO30DU (50°51.25' N / 06°17.50' E)
Distance 787 km

Spectrograms waterfall type:
x-axis = frequency of audio signal
y-axis = time, (top is most recent) tick marker 10 seconds
color = audio-level.

The background is the noise floor, horizontal lines are due to spike signals caused by nearby appliances.

Ping1 18:35:36, duration 14,5 sec

Ping2 18:40:16, duration 17 sec

Ping3 20:47:58, duration 2 sec (faint ping)

Ping4 20:56:43 duration 12 sec (slight frequency dispersion at the beginning)

Ping5 21:28:37, duration 6 sec

Ping6 22:13:30, 22:13:40 2 Pings within 10 seconds

Ping7 22:48:15, duration 20 sec (strong signal with doppler/dispersion at the beginning)

Ping8 22:58:10, duration 7 sec

Ping9 23:11:06, duration 30 sec (strong reflection with interesting sound at the beginning)

Ping10 23:21:57, duration 11 sec (3 other short pings can be seen)

Note:
Not all detected pings are described here. There where many more short reflections in the range of up to 1 or 2 seconds. Some very faint, some clearly audible.